Tour de Ciel


Tourdatum 13. - 17.04.2017
Schwierigkeit ZS+
Höhenmeter Auf- / Abstieg ca. 5'900 Hm Aufstieg und ca. 5'500 Hm Abfahrt
Schlüsselstelle(n) Die Tour weist einige steile Passagen auf, die sichere Verhältnisse und etwas alpintechnische Kenntnisse voraussetzen (z.B. Col de Milon, Jungtaljoch). Zudem ist der Spaltensituation stets die nötige Beachtung zu schenken (im Zweifelsfalle anseilen)
Ausrüstung Skihochtourenausrüstung (die Tour führt über Gletscher!)
Zugang zum Ausgangspunkt Postauto ab Zinal
Unterkunft/Einkehr Cabane de Mountet, Cabane d'Arpittetaz, Tracuithütte, Turtmannhütte
Kartenmaterial 1307 Vissoie, 1327 Evolène, 1308 St. Niklaus, 1328 Randa
Literatur

Skitourenführer SAC "Die schönsten Skitouren der Schweiz" , Skitourenführer SAC "Oberwallis", Skitourenführer SAC "Bas-Valais"

Ziele in der Nähe Diverse

Diese Ostern haben wir uns wieder einmal mit der Bergschule Montanara auf Tour begeben. Die „Tour de Ciel – von Zinal nach St. Niklaus“ sollte es werden. Und wurde es dann auch. Aber alles der Reihe nach.

 

Dank flexiblen Arbeitgebern konnten wir die Arbeit bereits am Mittwoch frühzeitig ruhen lassen und die Reise ins Wallis antreten, da eine morgendliche Anreise an den Treffpunkt in Zinal schlicht nicht möglich gewesen wäre..zumindest wenn man um 08.45 Uhr um Zinal bei der Post eintreffen wollte.

 

So wurde unsere erste Station das Hotel Bahnhof in Ausserberg – eine sehr empfehlenswerte Adresse! Gemütliche und sehr saubere Zimmer, dazu eine vorzügliche Küche und eine herzliche Bewirtung – was will man mehr?! So konnten wir nach einer erholsamen Nacht nur noch nach Visp runterkurven, das Auto im Langzeitparking beim Bahnhof abstellen und den Zug nach Siders besteigen.

 

Wenn auch Zinal der vereinbarte Treffpunkt war, trafen wir bereits in Siders auf fast alle Mit-Tourenden und die „Führungsetage“ mit Osi und Reto. Mit reichlich neuen Namen und Gesichtern versorgt, ging die Reise auch gleich weiter – via Vissoie schaukelten wir im Postauto ins Val d’Anniviers nach Zinal. Hier gesellte sich auch noch die letzte im Bunde zu uns und nach einem Briefing konnte es endlich losgehen. Zu Fuss. Die Frühlingssonne hatte nämlich schon ganze Arbeit geleistet und der weissen Pracht ziemlich den Garaus gemacht. Aber irgendwann erreichten wir ihn dann doch noch, denn Schnee und es konnte mit den Skiern an den Füssen weitergehen. Ziel für heute: die Cabane du Mountet auf 2‘886 MüM, welche inmitten imposanter Berggestalten wie Grand Cornier, Dent Blanche, Obergabel-, Zinalrot- und Weisshorn steht. Und dieses grosse Kino rundherum liess wohl den Aufstieg durch das langgezogene Val de Zinal und über den Glacier du Zinal recht kurzweilig ausfallen…das ständige Staunen liess die gefühlte Distanz auf ein durchaus erträgliches Mass schrumpfen.

 

Erfreulicherweise hielt sich der Buchungsstand der Hütte auf einem eher geringen Niveau, so dass es entsprechend ruhig zu und her ging….wobei sich ja der Spass von Hüttennächten mit Erkältung und Husten dann doch etwas in Grenzen hielt.

 

Am nächsten Morgen wartete ein früher Start- die erste Tour über den Südgrat auf den Blanc de Moming 3'657m stand an. Nach einer ersten kurzen Abfahrt stiegen wir erst gemütlich und am Schluss eher steil hoch auf den erwähnten Grat. Hier hiess es dann Skier auf den Rucksack schnallen, Steigeisen anziehen und zu Fuss weiter hochsteigen – ein hübsches Grätchen mit einfachen Kraxeleien war das! Natürlich ist es nicht immer ganz so einfach, wenn vier Leute mit aufgebundenen Skiern am Seil des Bergführers herumturnen…während man immer wieder von hinten auf den Rucksack kriegt, stösst man selber immer wieder

den Vordermann an…auch kraxelt nicht jeder mit der gleichen Sicherheit in Skischuhen und Steigeisen, so dass solche Anstiege nicht wirklich flüssig von

statten gehen. Aber tragisch ist das ja nicht, wir haben den Aufstieg trotzdem in vollen Zügen genossen…hätte länger sein dürfen..

 

Nach einer Gipfelrast mit viel Aussicht auf die imposanten 4000er der Region wartete eine rassige Abfahrt über den Glacier de Moming, der sogar noch mit Pulverschnee aufwarten konnte. Als Schluss der heutigen Tag folgte noch der gemütliche, aber sehr heisse Aufstieg zur Cabane d‘Arpitetta 2'786m.

 

Nach einer mehr oder weniger geruhsamen Nacht führte uns unser Weg unter der Weisshorn Westwand mit dem eindrücklichen Young Grat hoch bis zur markanten Schulter P. 3'577m, die zum Young Grat führt. Auch hier durften wir wieder das eindrückliche Panorama dieser Gegend geniessen…absolut

fantastische Gegend! Die anschliessende Abfahrt über den mit einigen imposanten Spalten gespickten Glacier du Weisshorn konnte mit Genuss absolviert werden, auch wenn es aufgrund des nicht mehr ganz so sonnigen Wetters nur bedingt aufsulzen konnte. Es war griffig und trotzdem nicht zu hart. Nach einem recht schuttigen Aufstieg über den Col de Milon 2'976m wartete die zweite Abfahrt des Tages und der Wiederaufstieg via Col de Tracuit zur schön gelegenen und neuen Cabane de Tracuit 3'256m auf uns. Das Wetter hatte sich inzwischen ziemlich verschlechtert und Schneefall setzte ein –ob das am nächsten Tag wohl was

werden würde mit dem Bishorn? Der Wetterbericht lautete wie folgt: "am Morgen rausschauen, dann wissen wir, wie es ist." (O-Ton Osi). Gesagt, getan und das Wetter am nächsten Morgen war gut.

 

Unser Aufstieg zum Bishorn war begleitet von einer herrlichen Morgenstimmung, aber auch von kalten Temperaturen (um die -15 Grad) sowie starkem Wind um die 50 km/h…so wirklich genussvolles Steigen ist sicherlich in einer anderen Temperaturzone anzusiedeln…aber schlussendlich haben alle Tourenden den Gipfel erreicht..wenn auch teilweise tiefgefroren.

 

Die Abfahrt präsentierte sich anfänglich etwas ruppig und windverblasen, doch dann konnten wir es so richtig krachen lassen – eine Schicht frischer Pulver entlockte uns dann doch noch den einen und anderen Jauchzer! Trotzdem heisst es hier auch immer "Vorsicht Spalten" – einige fiese Löcher hat der Gletscher dann schon auch.  Auch die Situation auf dem Brunegggletscher versprach eine spassige Abfahrt und so stiegen wir noch etwas weiter an als geplant. Und es

lohnte sich, denn die Abfahrt war herrlich und auch die steile Engstelle im Bereich des Bruneggbachs (Variante zum Gässi) war perfekt zu passieren. Als Dessert durften die Skier noch hoch zur Turtmannhütte 2'519m getragen und das überaus leckere Abendessen verdient werden.

 

Präsentierte sich das Wetter heute zu Anfang des Tages noch von seiner guten Seite, so schlug es dann gegen Abend wieder um und es tobte ein veritabler Schneesturm. Soviel zum Frühling – der Winter gibt sich noch nicht geschlagen.

 

Tja, und schon war er da – der letzte Tag der Tour de Ciel. Nach einem gemütlichen Aufstieg durchs Pipijtälli erfolgte ein erster steiler Hallo-Wach-Aufstieg zur Pipijlücke. Anschliessend folgte eine erste Abfahrt sowie eine recht spannende Freeride-Einlage von Osi. Der letzte Aufstieg dieser Tourentage wartete am Schluss noch mit einem lässigen Fussaufstieg hoch zum Jungtaljoch auf, bevor wir uns in die finale Abfahrt ins Jungtal stürzen konnten. Auch hier reichte der Schnee irgendwann nicht mehr und die letzten Höhenmeter hinunter nach Jungu wurden wieder zur Fuss zurückgelegt. Hier bescherten wir der lokalen Luftseilbahn wohl eine markante Aufbesserung des Umsatzes – zusammen mit einer JO-Gruppe gab es 30 Personen zu Tale zu transportieren, was natürlich eine Weile gedauert hat. Aber wir hatten ja Zeit und genossen noch etwas die Sonne, bis auch wir an der Reihe waren und gemütlich runter nach St. Niklaus schweben konnten. Von hier aus ging es mit dem Zug wieder zurück nach Visp und durch den Lötschberg nach Hause.

 

Fazit:

Eine tolle Tourenrunde in einem fantastischen Gebiet mit imposanten Gipfeln und Gletscherwelten. Da wurden wieder viele neue Tourenideen erspäht. Kontrastprogramm SAC-Hütte – von der kleinen einfachen Hütte bis hin hin zum modernen Neubau war alles dabei. Die Bewartung war überall gut bis sehr

gut, am besten gefallen hat es uns jedoch in der Turtmannhütte – dort war unserer Meinung nach das Gesamtpaket am stimmigsten.

 

Und einmal mehr hat es viel Spass gemacht mit Montanara unterwegs zu sein – von der Organisation bis hin zur Führung vor Ort hat alles gepasst! Auch für uns, die wir sonst kaum in grösseren Gruppen unterwegs sind, war die Tour de Ciel ein Genuss!

 



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Kommentare: 2
  • #1

    Christoph (Mittwoch, 26 April 2017 20:03)

    Potz Tuusig - Herzliche Gratulation!
    Während wir am Mittelmeer wanderten habt ihr eine tolle Rundtour gemacht. Wie schön, dass ihr trotz Kälte die schönen Gipfel erreichen konntet.
    Bin stolz auf euch.
    Herzliche Grüsse

  • #2

    Nicole und Marcel (Donnerstag, 27 April 2017 09:48)

    Danke Dir, lieber Christoph. Wandern am Meer ist aber auch nicht so schlecht... :-)
    Herzlichst,
    Nicole und Marcel