Norwegen 2023 - Kapitel 7 - Gipfelparade und Elche



Montag, 21. August 2022

Vom Winde verweht am Bergshammeren

 

 

Sodäli...heute ging unsere Reise wieder weiter. Wir wollten wieder wandern! Und mit dem Gaustatoppen sollte noch ein weiterer Höhepunkt (im wahrsten Sinne des Wortes) bestiegen werden - dazu später mehr. 

 

Für die Fahrt zum Ausgangspunkt des Gaustatoppen wollten wir uns Zeit lassen und haben die Anreise auf 2 Tage aufgeteilt. Unterwegs durften wir herrliche Landschaften geniessen, wurden aber auch Zeugen unglaublicher Verwüstungen, welche das Sturmtief Hans hinterlassen hatte. Da wurden Strassen, Häuser, Ställe aber auch Campingplätze einfach weggespült oder unter Schlammmassen begraben...da hatten wir mit dem Regenwetter nur noch ein Luxusproblem...

 

Bei Haglebu haben wir unser Büssli parkiert und mit zwei lustigen Niederländern einen kurzen Schwatz gehalten, bevor wir zu unserer Tour auf den Bergshammeren aufgebrochen sind. Waaas? Ihr kennt den Bergshammeren nicht? Tssss...das geht ja gar nicht..das fällt ja schon fast in die Kategorie "Isch das dr Zermatter?"

 

*Ironieoff*

 

Die gut markierte Wanderung war insgesamt eigentlich sehr schön - die Weite, die Einsamkeit, die Aussicht vom Gipfel und die unzähligen reifen Moltebeeren waren wunderbar, der bissige Wind und viele sehr sumpfige Pfade hingegen weniger. Trotzdem ideal, um sich die Beine zu vertreten. 

 

Auf dem Camping Neset Skydsstasjon in Flesberg haben wir uns schlussendlich für die Nacht niedergelassen. Der Platz liegt zwar an der Strasse, ist aber in der Nacht trotzdem ruhig und vor allem auch sauber.

 

Gewusst?

Die Unwetterfront Hans hat zumindest regional alles in den Schatten gestellt, was je zuvor gemessen worden war. Konkret hatte es in Ostnorwegen seit über 100 Jahren nicht mehr so viel geregnet, wie in den Tagen des Sturmtiefs. Dies ging aus einer Pressemitteilung des Norwegischen Meteorologischen Instituts mit vorläufigen Daten hervor.

 

„Das Wort ‚extrem‘ zu verwenden, ist fast eine Untertreibung“, teilte Klimaforscher Hans Olav Hygen mit. Ihm zufolge wurden sogar nie zuvor derart große Niederschlagsmengen über so große Gebiete in Ostnorwegen gemessen.

 

In Vang in Valdres zum Beispiel fliesst ein großer Teil des Regens, der fällt, in den Fluss Begna. Hier zeigte eine Mess-Station laut NRK.no, dass fast 700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Fluss schossen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 1951 lag an selbiger Stelle bei 450 Kubikmetern pro Sekunde, wobei die Messungen insgesamt bis ins Jahr 1949 zurückreichen.




Dienstag, 22. August 2022

Der mit der weitesten Weitsicht und höchster Punkt der Telemark

 

Einmal mehr führte uns die Anreise zu unserem Ausgangspunkt durch eine fantastische Landschaft, welche an jenem Morgen durch geniale Lichtstimmungen noch zusätzlich aufgewertet wurden. So reist es sich halt schon schön.

 

In Stavsro, von wo aus wir den Gausta(toppen) besteigen wollten, parkierten wir unser Maenimobil auf einem der offiziellen Parkplätze, wo schon reges, aber noch überschaubares Treiben herrschte (die Anzahl der Parkmöglichkeiten liess darauf schliessen, dass hier ab und an noch viiiiiel mehr los ist..).

 

Nun verfehlen konnten wir den Wanderweg nicht - gut beschildert und breit ausgetreten war die Wegfindung heute keine Herausforderung. Zu Anfang noch grün, wechselt die Umgebung bald einmal in ein Paradies für Freunde des gepflegten Blockschutts. Daran sollte sich bis zum Gipfel auch nichts mehr ändern. Der Weg ist aber trotzdem immer noch gut ersichtlich.

 

Während praktisch alle Wanderer ihren Aufstieg bei der Berghütte resp. am Funkturm beendeten, haben wir uns noch auf den Weg über den Grat zum eigentlichen Gipfel gemacht und das Gewusel hinter uns gelassen...kaum ein paar Meter weiter und es herrschte wieder herrliche Ruhe am Berg. Den Gipfel, welcher in der Tat eine unglaubliche Weitsicht offenbart hat, konnten wir alleine geniessen.

 

Historischer Exkurs

 

Dass bei Funkturm und der Hütte reger Betrieb herrscht, ist sicherlich auch der Bahn geschuldet welche auf den Gausta führt, denn aufgrund der Höhe und Lage des Berges wurde er während des Kalten Krieges als Radar- und Funkstation genutzt. Erst 1995 endete die militärische Nutzung. Eine 55 m hohe Antenne wurde 1970 auf dem Berg errichtet und für Radio und Mobilfunk genutzt.

 

Um den Gipfel ganzjährig erreichen zu können, wurde zwischen 1954 und 1959 von Rjukan aus eine Bergbahn („Gaustabanen“) in den Fels getrieben. Sie besteht aus einer 850 Meter langen horizontal verlaufenden „Flachbahn“ und einer steilen Standseilbahn mit 1045 Meter schräger Länge. 

 

Um die Kosten zu refinanzieren sollte die Bahn von Anfang an auch von Touristen genutzt werden, aufgrund der Geheimhaltung während des Kalten Krieges kam es aber erst viel später dazu. Selbst lokalen Einwohnern war die Existenz der Bahn nicht bekannt. Die Bergbahn beginnt an der Straße zwischen Rjukan und Tuddal auf 1170 m mit einer horizontalen Bahn. Nach einer Fahrtstrecke von 860 m befindet sich im Berginneren eine Transitstation, wo Passagiere umsteigen müssen. Von dort beginnt die Standseilbahn, die auf einer Länge von 1.050 m 650 Höhenmeter überwindet. Die Bergstation befindet sich auf 1800 m und damit etwa 75 m unterhalb der Berghütte, am Ende eines Tunnels im Berg. Die Standseilbahn hat eine Steigung von 39°. Die Bergbahn wird seit 2004 kommerziell genutzt.

 

Wir indes sind wieder zu Fuss abgestiegen und sind im Anschluss weiter nach Rjukan gefahren, welches seit 2015 zum Weltindustrie-Erbe der Unesco gehört. Leider haben wir zwei Nüsse es versäumt, das Museum beim Kraftwerk Vermork zu besuchen...

 

...und sind nach Edland weitergefahren, wo wir uns auf dem Camping Velemoen einquartiert haben. Noch rechtzeitig vor einem kräftigen Regenguss konnten wir unser grilliertes Rentierfilet und eine gute Flasche Rotwein in vollen Zügen geniessen.

 


Gewusst?

 Weit über Norwegens Grenzen hinaus wurde Rjukan während des Zweiten Weltkriegs bekannt. Norwegische Forscher hatten im Chemie- und Kraftwerk Vemork bereits vor dem Krieg mit der Erforschung und der Produktion von schwerem Wasser (1931 entdeckt) begonnen. Schweres Wasser war ein notwendiges Hilfsmittel zur nuklearen Kernspaltung und Kettenreaktion.

 

Das Kraftwerk Vermork wurde von Norsk Hydro von 1907 bis 1911 errichtet. 1911 wurde mit der Stromerzeugung begonnen; damals war es das größte Kraftwerk der Welt.

 

Für das Kraftwerk wurde der 104 Meter hohe Wasserfall Rjukanfossen nutzbar gemacht. Die Turbinenanlagen stammten von den Ateliers Piccard, Pictet & Cie in Genf, die Generatoren von Escher Wyss und erbrachten je eine Leistung von 16.400 PS (12.060 Kilowatt) bei 250 Umdrehungen pro Minute. Das Kraftwerk erhielt mit der Rjukanbanen eine Verbindung zum norwegischen Eisenbahnnetz.

 

 

Später wurde neben dem Kraftwerksgebäude eine Fabrik zur Herstellung von Wasserstoff mittels der Elektrolyse von Wasser errichtet, deren Nebenprodukt Schweres Wasser ist; dieses Gebäude wurde in den 1970er Jahren abgerissen.

 

Die Wasserstofffabrik war während des Zweiten Weltkrieges Schauplatz der Operation Gunnerside, einer von mehreren Sabotageaktionen von norwegischen Widerstandskämpfern und britischen Alliierten, mit dem Ziel, die Nationalsozialisten an der Herstellung des für die vermutete Entwicklung einer Atombombe benötigten Schweren Wassers zu hindern.



Weltindustrieerbe Rjukan

 

Sam Eyde sah den Wasserfall «Rjukanfossen» im Jahr 1888. Er war imponiert vom Naturschauspiel des «Rjukanfossen»; aber noch mehr von seiner Kraft: "Man stelle sich vor, diese Kraft ließe sich für etwas nutzen". Im Jahr 1903 kaufte Sam Eyde die Rechte am Wasserfall «Rjukanfossen».

 

Der Gründer Eyde und der Wissenschaftler Birkeland taten ihre klugen Köpfe zusammen. Sam Eyde wünschte sich "den stärksten Blitz, der auf Erden möglich war, zu schaffen" und dabei konnte Birkeland helfen. Die Wasserkraft wurde in elektrische Kraft umgewandelt und diese ließ mehrere tausend Grad Celsius in Birkeland/Eyde-Ofen entstehen. Dieser Ofen entnahm Stickstoff bzw. Nitrogen aus der Luft und das Nitrogen wurde überführt in große Säuretürme. Diese Türme wurden überrieselt mit Wasser und nachdem das Wasser und das Nitrogen miteinander in 32 Säuretürmen reagierte, kam am anderen Ende 44% Salpetersäure heraus. Diese Salpetersäure wurde zum Arbeitsplatz "Kleine Hölle" geleitet, wo Kalkstein der Säure zugesetzt wurde und aus der heftigen Säure-Basen-Reaktion entstand das Produkt Kunstdünger - ein Produkt, welches für die Welternährung eine Rolle spielen sollte.

 

Im Jahr 1905 wurde die Firma «Norsk Hydro» mit dem Hauptsitz in Notodden gegründet und 1907 wurde beschlossen, Fabriken und die Stadt Rjukan zu bauen.

 

Aus Gründen von technischen, kostenmäßigen und politischen Unsicherheiten, verbunden mit der Notwendigkeit, die elektrische Kraft unter Hochspannung weiterzuleiten, beschloss «Hydro», die Fabrik und die Stadt nahe zur Kraftquelle, dem Wasserfall «Rjukanfoss», zu bauen.

 

Im Jahr 1909 eröffnete der König Håkon die «Rjukanbanen» – Transportader mit Eisenbahn und Eisenbahnfähre von Rjukan über Notodden zur Hafenstadt Porsgrunn, – die Nabelschnur zum Weltmarkt.

 

Im Jahr 1911 war das weltgrößte Kraftwerk in Vemork fertiggestellt, und das erste Fass mit Kunstdünger wurde exportiert.

 

1915 war ein weiteres und nun weltgrößtes Kraftwerk, Saaheim in Rjukan, fertiggestellt, und die Kunstdünger-Produktion war in vollem Gang.

 

Rjukan, eine Stadt vom Reissbrett, war 1920 fertiggestellt: An einem Ort, bestehend aus einigen wenigen armen Bauernhöfen mit 100 Einwohnern im Jahr 1907, entstand eine moderne Industriestadt mit 10.000 Einwohnern 13 Jahre später im Jahr 1920. Es gibt keine Stadt in Norwegen, die sich so extrem schnell vom Nichts zur damalig modernen Industriestadt entwickelt hat. Zudem war der Standard hoch: ab 1912 wurde kein Arbeiterhaus ohne Wassertoilette gebaut.

 

Der Start der modernen industriellen Revolution in Norwegen war gleichzeitig der Start des Sozialstaates Norwegen.

 

Als Welterbestätte kann Rjukan die Geschichte über das Wasser erzählen, das umgewandelt wurde zu elektrischer Kraft, von seinem Weg vom Gebirge zum Meer, über die elektrische Kraft, die eine Grundlage für Prozessindustrie und Arbeitsplätze für die Bevölkerung schuf sowie die Geschichte und Entwicklung des Wohlfahrtstaates Norwegen - vom ärmesten zum reichesten Land innerhalb von 100 Jahren.

(Quelle: Visitrjukan AS)



Mittwoch, 23. August 2022

Die Trollzunge im Setesdal

 

Das Setesdal wollten wir uns auf dieser Reise dann doch auch noch anschauen. Und was ging das besser, als dies wieder mit einer Wanderung zu verbinden? Genau, nichts. Zumindest unserer Meinung nach.

Unser Ziel: der Ørnenapen, eine Felszunge, welche 350 Meter über dem Byglandsfjord herausragt.

 

Auf einem Parkplatz an der Strasse das Büssli abgestellt, wies uns gleich zu Beginn ein mit "Ørnenapen" beschrifteter Felsblock die Richtung. Unterwegs dann immer wieder mal orangene Markierungen. Der Aufstieg ist kurz, nach einer guten halben Stunde stehen wir staunend auf der Trollzunge des Setesdal und geniessen den Ausblick - wunderschön hier oben! 

 

Da wir noch ausreichend Zeit hatten, stiegen wir auf einem anderen Weg ab. Dieser war teilweise recht sumpfig und botanisch und das letzte Stück mussten wir der Strasse entlang, was mässig toll war.

 

Insgesamt aber ein wirklich schönes Türli - sehr zu empfehlen!

 

Wirklich schön war dann auch unser Platz für die Nacht am Åraksfjord - auf dem Støylen Camping, standen direkt am Wasser und der nächste Nachbar im Van war viele Meter weit weg.

 

In herrlicher Abendstimmung haben wir es uns so natürlich gut gehen lassen und die Zeit vor unserem Mobil in vollen Zügen genossen!

 

 




Donnerstag, 24. August 2022

Elgtun - Besuch bei Olaf, Anna und den Kindern

 

Ein herrliches Erwachen am Åraksfjord! Die Sonne lachte und der Kaffee dampfte...wir genossen nochmals diesen schönen Platz, bevor wir gemütlich zusammengeräumt  und uns zu den Elchen in Viltgården aufgemacht haben. Unterwegs überraschte uns sogar noch ein Biber, welcher im Fjord auf seiner Morgenrunde unterwegs war.

 

Im Elgtun in Viltgården durften wir die dort lebenden Elche aus nächster Nähe bestaunen und sogar füttern. Richtig, Touri-kram. Aber in einem angenehmen und sehr sympathischen Rahmen, mit vielen Infos zu den Tieren aus erster Hand ohne Disneyland-Stil. Der Elchbulle Olaf und die Elchkuh Anna mit den beiden Jungtieren leben in zwei grossen, bewaldeten Gehegen. Zu sehen sind sie meist nur zur Fütterungszeit.

 

Mit einem weiteren tollen Erlebnis im Gepäck sind wir im Anschluss weiter in Richtung Süden gerollt und in Grimstad haben wir unser Nachtlager aufgeschlagen. Essen auswärts im Smag und Behaug - sehr lecker!

 

Grimstad ist bekannt als die Stadt der Dichter und war Schauplatz zweier wichtiger Beiträge zur Weltliteratur, und beide Autoren sind bis heute in der Stadt lebendig präsent. Der eine ist der Dramatiker Henrik Ibsen und der andere der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Schriftsteller Knut Hamsun.

 

Gewusst?

Elche (lat. Alces alces) leben in Revieren von rund 500 Hektaren. Sie wandern auf der Suche nach Nahrung täglich viele Kilometer. Durch seine langen Beine kann der Elch bequem hohe Hindernisse übersteigen oder in hohem Schnee gehen, was für seine Feinde fast unmöglich ist. Als sehr alte Hirschform (Trughirsche) haben sie ein wenig entwickeltes Sozialverhalten und leben meist als Einzelgänger. Lediglich zur Brunftzeit schliessen sie sich zu kleinen Gruppen zusammen. Elche sind hervorragende Schwimmer mit einer Schwimmhaut zwischen den Hufen.

 

In der Schweiz wurde der Elch schon im Frühmittelalter ausgerottet.



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